AUSSCHREIBUNG ERSTER KUNSTPREIS

Ausschreibung zum ersten Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche Württemberg »Bilder?Bilder!«

Bilder? Wie ist das mit dem Bild? Schreibt es nicht fest, was offen bleiben muss? Verführt es nicht dazu, mehr in ihm zu sehen als – ein Bild? Dieser Vorbehalt, verbunden mit der Angst vor der Macht der Bilder, gab vor 475 Jahren den Anstoß zum »Uracher Götzentag«. Zu Beginn der Reformation im Herzogtum Württemberg diskutierten Theologen und Juristen auf einem Symposium vor dem Hintergrund des biblischen Bilderverbots, ob es in der protestantischen Kirche Bilder geben soll und geben darf, mit dem Ergebnis damals: »Bilderdienst ist G��tzendienst«.

Bilder! Heute lautet die Frage nicht mehr, ob es in der Kirche Kunst geben darf. Glaube äußert sich stets in kulturellen Ausdrucksformen. Die Gegenwartskunst in ihren autonomen Äußerungen ist für die Kirche als Gestalterin von Kultur eine unverzichtbare und willkommene Dialogpartnerin geworden, wo es um die Wahrnehmung und Deutung der Wirklichkeit geht und die Frage des rechten Handelns. Die Kirche teilt mit der Kunst den kritischen Umgang mit der heutigen Bilderflut sowie die geschärfte Aufmerksamkeit für das, was in der Welt vorgeht und die Menschen bewegt.

Das Jubiläum des »Uracher Götzentags« ist Anlass zur Ausschreibung und Verleihung des ersten Kunstpreises der Evangelischen Landeskirche in Württemberg:

»Bilder? Bilder!«

Bilder können nur vorgegebene Inhalte veranschaulichen und allzu eindeutige und einfache Antworten geben. Sie können aber auch Geheimnisse wahren und feste Sehgewohnheiten hinterfragen. Kunst kann Gegensätzliches und Widersprüchliches zusammenbringen und Unaussprechliches ausdrücken. Ästhetische Erfahrung kann religiöse Erfahrung neu erschließen.

Wir als Evangelische Landeskirche in Württemberg wollen mit dem Kunstpreis den Dialog von Gegenwartskunst und Kirche fördern. Überrascht, animiert, bisweilen irritiert, nehmen wir bei Künstlerinnen und Künstlern die Vielfalt ihrer Äußerungsmöglichkeiten wahr. Wir haben sowohl am Entstehungsprozess von Bildern als auch an dem ihnen zugrunde liegenden Verständnis großes Interesse: Was ist das Eigene der Kunst? Wie können für die Kunst Religion und Glaube heute noch Bezugspunkte der Auseinandersetzung sein? Wie greift die Kunst heute in die Räume der Kirche ein, um sie zu qualifizieren und um Atmosphären zu schaffen?

Wir laden Sie als Künstlerinnen und Künstler in großer Offenheit ein, Ihre eigene künstlerische Arbeit in diesen Dialog mit einzubringen.